„Der Nichtstuer als der Geistesmensch ist tatsächlich in den Augen derer, die unter nichts tun tatsächlich nichts tun verstehen und die als Nichtstuer auch tatsächlich gar nichts tun, weil in ihnen während des Nichtstuens gar nichts vorgeht, die größte Gefahr und also der Gefährlichste.“

Thomas Bernhard: Auslöschung


Müßiggang, so der Volksmund, ist aller Laster Anfang. In der modernen Gesellschaft ist Arbeit das zentrale Element der Identitätsstiftung und Sozialisierung, aber auch schon in der Frühen Neuzeit gilt der Nichtstuer als verdächtig. Seit der Romantik finden sich in der Literatur mit Texten wie Joseph von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts (1826), der Flaniere des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Charles Baudelaire, Walter Benjamin, Franz Hessel, Robert Walser) bis hin zur Pop-Literatur oder digitaler Kurzprosa zahlreiche Versuche, das Nichtstun, den Müßiggang und die Faulheit zu nobilitieren. Anhand der unten genannten Werke geht das Seminar u.a. der Frage nach, welche Konzepte von Muße, Müßiggang, Produktivität, (Nicht-)Arbeit und schöpferischer Tätigkeit in den verschiedenen Epochen und Strömungen zu erkennen sind und wie sie in den jeweiligen Texten verhandelt werden.